Ist eine andere Landwirtschaft möglich ?

Interview zu Solidarischer Landwirtschaft

Ist eine andere Landwirtschaft möglich?

1970 gab es noch über eine Million landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland, heute dagegen sind es nur noch rund 270.000. ca.24000 davon sind Öko-Betriebe mot 6,5% und ca 12000 Betriebe der Agrarindustrie mit 33% der Gesamtanbaufläche. Immer weniger Menschen können von der Landwirtschaft leben. Immer weniger haben den Zugriff auf landwirtschaftliche Flächen. Der Marktdruck zu immer günstigeren Lebensmitteln bringt uns um die Möglichkeit, die Vielfalt unserer Nahrung zu erhalten. Es geht in der industriellen Landwirtschaft um gleichförmige Produktion mit immer höherem technischen Einsatz, was folglich mit Landschaftspflege nichts mehr zu tun hat. Entsprechend ergeben sich durch das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft viele Ansätze, eine andere Landwirtschaft zu ermöglichen.

Was kann Solawi ?

Solidarische Landwirtschaft -Solawi- ist der Zusammenschluss von Erzeuger und Verbraucher im Vorfeld der Erzeugung von natürlichen Lebensmitteln. Es wird ein Haushaltsplan aufgestellt, in dem alles aufgeführt wird, was die Finanzierung der Landwirtschaft sicherstellt. Das Risiko der Erntemenge wird so auf alle verteilt. Entsprechend können sich Erzeuger voll auf ihre Aufgabe konzentrieren, das Bestmögliche für das Gelingen der Ernte zu tun. Die Verbraucher haben volle Übersicht auf das, was geschieht. Überschüsse über das Benötigte hinaus, werden geteilt. Im Falle eines Ausfalls ist der Schaden begrenzt, da sich die Auswirkungen auf alle verteilen.

Das angestrebte Ziel ist die Vollversorgung mit Gemüse, Obst, Fleisch, Milchprodukten, Eier, Brot, Getreide. Auch alle weiterverarbeiteten Erzeugnisse können innerhalb einer Solawi bzw. im Zusammenschluss mit anderen Solawis oder Bioläden erhältlich sein.

Welche Auswirkungen hat Solawi im Alltag der Verbraucher (Vorratshaltung) ?

Wer sich auf das Projekt einlässt, wird erfahren, was es heißt, sich auf den natürlichen Ablauf einzulassen, regional das zu essen und zu verarbeiten, was es saisonal gerade gibt. Es kann entschleunigend wirken, wenn man sich keine Gedanken mehr darüber machen muss, was man kochen soll, weil die Natur uns immer mit Nahrung versorgt. Es gibt nicht das Winterloch, wie viele meinen, sondern das Loch im Frühling, wenn die Lager leer und das Feld bestellt ist. Entsprechend ist es auch erforderlich, sich auf die alte Kunst des Haltbarmachens zu besinnen. Dies kann und soll in Gemeinschaft geschehen, nicht jeder muss jetzt Marmelade kochen. Der Prozess beinhaltet eine Menge Bildungs- und Beziehungsarbeit, da gemeinhin bekannt ist, gemeinsam geht vieles leichter. Durch den Zusammenschluss vieler Menschen ergeben sich neue Prioritäten und der Spaß am Tun.

Die momentane Diskussion darüber, was ich alles im Keller vorhalten soll, spielt dem Gedanken der Ernährungssouveränität in die Hände. Ich muss wissen, was wann wo wächst, ohne von Monopolversorgung auf Datenbasis abzuhängen. Das kann Solawi.

Welche Gründe hat ein Landwirt zur Mitgründung einer Solawi?

Der Marktdruck lässt manchen Bauer darüber nachdenken, ob es noch andere Formen von Landwirtschaft in der heutigen Zeit geben könnte, da oftmals das natürliche Verhältnis zum Produkt verloren gegangen ist. Solawi ermöglicht eine Produktion nach Bedarf nicht nach Angebot. Es wird keine nachträgliche Marktpräsenz erforderlich, was eine Konzentration auf die Produktion bedeutet. Es ist möglich, mit anderen Saaten zu experimentieren, die Vielfalt kehrt in den Betrieb zurück. Die Abhängigkeit von Banken schwindet, das Selbstverständnis, dass gesunde Lebensmittel eine gesunde Einstellung voraussetzen, kehrt in den Alltag des Bauers als umsetzbar zurück.

Die Bedenken, dass man ja seine alten Kunden aufgibt und sich in die Hand weniger begibt, gibt es, doch schätze ich die Gefahr eines einzelnen Großabnehmers viel höher ein (VW).

Ist Solawi die soziale Bio-Abokiste ?

Die Abokiste rechnet produktbezogen den Preis aus und der Lieferdienst stellt sie mir vor die Tür. Es gibt viele Varianten, wie Lebensmittel zu den Verbrauchern gelangen. Auch die Solawis regeln das unterschiedlich. Es gibt organisierte Lieferdienste und Abholorte, wo die Lebensmittel bereitstehen. Der wesentliche Unterschied zur Abo-Kiste liegt darin, das nicht pro Lieferung bezahlt wird, sondern zu Jahresbeginn eine bindende Zahlungsabsichtserklärung unterschrieben wird, die die Kosten für die Erzeugung des gesamten Jahresbedarfs abdeckt und dass man deshalb verbindlich monatlich einen bestimmten Betrag bezahlt und somit auf den Inhalt der wöchentlichen Kiste nur noch bedingt Einfluss hat, was mein Leben grundlegend vereinfacht.

Ist Solawi Konkurrenz für Bioläden?

Nein. Eher das Gegenteil. Es gibt Bioladenketten, Hofläden, Einzelhandelsgeschäfte. Zumindest kettenunabhängige Läden können die Existenz von Solawis für sich nutzen, indem sie z.B. a) ein Depot im Laden ermöglichen, b) ein Rabattsystem für Solawi-Mitglieder einführen und c) das Angebot, das über die Solawi-Produkte hinaus im Laden erhältlich ist, entsprechend erweitern…. Und am Gemüse verdienen die Läden ja eh nix.

Muss“ man Hand anlegen ?

Die Frage, ob und wie viel jedes Solawi-Mitglied persönlich Hand anlegt, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Grundsätzlich geht es bei Solawi auch darum, die Prozesse der Lebensmittel- erzeugung wieder zu erlernen und zu wertschätzen. Es gibt freiwillig geleistete Arbeitseinsätze und Pflichtstunden. Es gibt Menschen, die mit Arbeit den finanziellen Beitrag ausgleichen. Es gibt Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt in der Solawi gefunden haben und nicht mehr danach fragen, ob und wie viel Geld sie für ihren Einsatz bekommen könnten.

Fazit und die Aufgabe des Netzwerkes

Die Möglichkeit, zu lernen und mit anderen Menschen beim bedarfsorientierten Produzieren von echten Lebensmitteln in Kontakt zu kommen, und dabei sich selbst weiterzuentwickeln, ist der große Schatz, der im Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft enthalten ist. Dieses Wissen vielen Menschen zugänglich zu machen, ist die Aufgabe unseres Netzwerkes. Das Netzwerk stellt eine virtuelle und reale Plattform zur Verfügung, ist Ansprechpartner bei Öffentlichkeits- und Beratungsfragen. Es ist eine Verbindung von sozialer Bewegung, ein Verband und eine Organisation, die rund um das Thema Solidarische Landwirtschaft unabhängig wirkt.

Bettina Berens, Mitglied des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft

Landwirtschaft in der Zukunft

Am Sonntag gab es in WestArt die Diskussionsrunde „Bauer sucht Zukunft“.

.www1.wdr.de/fernsehen/kultur/west-art-talk/sendungen/westarttalkuebersicht178.html

76 Kommentare im Gästebuch und 104 Kommentare auf der Facebook-Seite.

Eine genaue Analyse der Kommentare steht noch aus, doch der Grundtenor war eher „Thema verfehlt“.

Letztes Jahr war ich selbst Teilnehmer einer Diskussionsrunde (.programm.ard.de/TV/wdrkoeln/west-art-talk/eid_281119697825783 Zwischen Politik und Protest: Wie viel Demokratie darf es sein? ) , kenne Valentin Thurn (Lebensmittelverschwendung .eat-up.jimdo.com/) und Tobias Hartkemeyer ( Markt 2012 Frau sucht Bauer .youtube.com/watch?v=YkZv9NtzP58) persönlich und Frau Busse ist mir auf der Lebensmitteltagung .vz-nrw.de/lebensmitteltagung in Münster begegnet.

Meiner Meinung nach hat die Sendung eins sicherlich gebracht, Gräben.

Regionaltag Solidarische Landwirtschaft in Düsseldorf

Am 30.11.2013 von 10 bis 16 Uhr findet in Düsseldorf der
1. Regionaltag Solidarische Landwirtschaft statt.
In Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung NRW spannen wir Menschen vom Netzwerk Solidarische Landwirtschaft e.V. den Bogen von den Anfängen der Solawi in Deutschland (Buschberghof), über bestehende Solawis in NRW bis hin zum Ausblick, was kann in Düsseldorf geschehen.
Auch Bürger in einer Großstadt wie Düsseldorf verstehen ökologisch-regionale Landwirtschaft als einen wichtigenTeil ihres Lebens und möchten sich beteiligen.
Es wird ein gemeinsames bioregionales Mittagessen zum Solidarbeitrag von € 7.50 geben und wir zeigen den Solawi-Doku-Film der Gartencoop Freiburg: Die Strategie der krummen Gurken.
Den politischen Part übernehmen Norwich Rüße und Norbert Czerwinski. Wolfgang Stränz vom Buschberghof läßt uns an seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz rund um die Solawi teilhaben und Prof. Dirk Löhr vermittelt einen Eindruck, wie die mit der Landwirtschaft fest verbundene Bodenfrage neu gestellt werden kann. Eine kurze Einführung in die Möglichkeit des Crowdfundings ist geplant.
Anmeldung: http://www.regionaltag.jimdo.com oder über http://www.boell-nrw.de
Kontakt: Bettina Berens für das Netzwerk Solidarische Landwirtschaft e.V. 0211 9003438

Solidarische Landwirtschaft ….. CSA

CSA/Solawi – gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft

1.Was ist CSA (Community Supported Agriculture) ?

Solidarische Landwirtschaft (Solawi) ist dafür das Konzept der Zukunft. Ökologische Nahrungsmittelproduktion und Solidarische Landwirtschaft sind essentiell für eine nachhaltige Entwicklung.
Konkret handelt es sich dabei um einen Zusammenschluss von meistens einem landwirtschaftlichen Betrieb oder Gärtnerei mit einer Gruppe privater Haushalte. Auf Grundlage der geschätzten Jahreskosten der landwirtschaftlichen Produktion verpflichtet sich diese Gruppe regelmäßig im Voraus einen festgesetzten Betrag an den Hof zu zahlen, der mit dem Geld seinen Möglichkeiten entsprechend wirtschaftet. Die AbnehmerInnen erhalten im Gegenzug die gesamte Ernte sowie weiterverarbeitete Erzeugnisse wie Brot, Käse etc. sofern der Hof diese herstellt.

2.Warum Solawi ?

Gesunde, frische Nahrungsmittel sollen aus der Region und aus ökologischem Anbau stammen. Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, haben meist nur die Wahl entweder die Natur oder sich selbst auszubeuten. Ihre Existenz hängt von Subventionen und den Markt- bzw. Weltmarktpreisen ab. Beides Faktoren, auf die sie keinen Einfluss haben und die sie häufig zwingen, über ihre persönliche Belastungsgrenze sowie die von Boden und Tieren zu gehen oder ganz aus der Landwirtschaft auszusteigen. Auch der ökologische Landbau ist von diesem Mechanismus nicht ausgenommen. Mit dem CSA-Konzept ist eine verantwortungs-volle, lebensspendende Landwirtschaft, die gleichzeitig die Existenz der Menschen, die dort arbeiten, sicherstellt, möglich.

3.Wie Solawi ?

Die Gruppe stellt im Rahmen der Betriebsaufstellung fest, welcher Betrag nötig ist, um 12 Monate Lebensmittel herstellen zu können. Dieser Betrag wird durch die Anzahl der Gruppenmitglieder geteilt. Bei der Festsetzung der Beträge kann i.d.R. die finanzielle Lage Einzelner mit in Betracht gezogen werden. Oft existieren „Richtwerte“ als Entscheidungshilfe. Entscheidend ist, dass die Anbau- und Verarbeitungskosten vollständig gedeckt werden. Das beinhaltet neben dem Einkommen für die LandwirtInnen und Angestellte, möglicherweise auch eine Altersvorsorge, im Idealfall einen Überschuss für zukünftige Investitionen.
Die Verteilung der Ernteanteile erfolgt in regelmäßigen, etwa wöchentlichen Lieferungen direkt an die Haushalte oder zu zentralen Sammelstellen, aus denen dann nach Bedarf Lebensmittel entnommen werden können.
Grundlegend ist also, dass eine Gruppe die Abnahme der Erzeugnisse garantiert und die Ernte bzw. alles, was notwendig ist, um diese zu erzeugen, vorfinanziert. Alle teilen sich die damit verbundene Verantwortung, das Risiko, Kosten und die Ernte.

4. Wo Solawi ?

Um sicherzustellen, dass der persönliche Bezug zum Hof und zu den produzierenden Menschen regelmäßig gepflegt werden kann, ist ein Einzugsbereich bis 50 km rund um den Hof in der Praxis denkbar.

5. Gibts das schon ?

Die älteste Solawi ist der Buschberghof. Weitere Höfe sind im Netzwerk Solidarische Landwirtschaft aufgeführt.

Inzwischen gibt es 29 solcher Höfe in Deutschland – Tendenz steigend.

Z.Zt. sind folgende Solawis in der Gründungsphase

Gut Wegscheid Aachen
Solawi Bonn
Solawi Köln

6. Weitere Infos

Bettina Berens, email zeitfamilie@gmx.de (Transition Düsseldorf) ist z.Zt. mit weiteren Menschen intensiv dabei, im Umkreis von Düsseldorf eine Solawi zu gründen. Interessierte können sich gern melden.

Am ersten Märzwochenende findet das Netzwerktreffen der Solawi in Schloss Tempelhof bei Crailsheim statt. Es ist hochaktuell und offen für Menschen, die das Konzept weiterentwickeln möchten.

links

http://www.lebensmittelschein.de
http://www.solidarische-landwirtschaft.org
http://www.buschberghof.de
http://www.gut-wegscheid.de
http://www.bonn-im-wandel.de
http://www.gutostler.de
http://www.hof-pente.de

Lösungen für die Agrarwirtschaft

Jeder Landwirt kennt die Probleme. Bestimmungen, Vorschriften, Bürokratie. Wie soll da noch Zeit sein, sich um wichtige Dinge zu kümmern.

Christian Hiß ist einen völlig neuen Weg gegangen:

Bauer sucht Alternative

Ein Biogärtner will mit dem Raubbau in der Branche Schluss machen. Eine Aktiengesellschaft soll nun soziale und ökologische Werte schaffe.
So wie bisher kann es ja wohl nicht weitergehen“, schimpft Christian Hiß aus der kleinen Gemeinde Eichstetten am Kaiserstuhl. „Ich war 28 Jahre selbstständiger Gärtner und habe in dieser Zeit erfahren, dass die herkömmliche Betriebswirtschaft einen sozialökologischen Raubbau betreibt.“
Der Gärtnermeister und Biobauer will nicht nur reden. Vor drei Jahren hat er deshalb eine Aktiengesellschaft gegründet, die „Regionalwert AG“. Damit will er „eine wirtschaftlich erfolgreiche und sozial-ökologisch vertretbare Wertschöpfungskette“ erschaffen. Und zwar vom Acker bis auf den Teller.

aus pressebuero-vauban

Informationen zur Regionalwert AG