Philosophie … ohne Gott möglich ?

Heute hab ich ein paar Seiten von Marc Aurels Selbstbetrachtungen gelesen.

Er war ein Anhänger der Stoiker, die letztlich im Verzicht, bzw. der nächsten Stufe des gar nicht erst Begehrens, die Möglichkeit sehen, göttlichen Status zu erlangen.
Wer mit dem zufrieden ist, was er hat, ist auf dem Weg zum Sinn des Lebens.

Ich frage mich, ob Philosophie ohne die Existenz irgendeines gottähnlichen Wesens für die Menschen überhaupt denkbar ist.

Ist der Mensch, weil es Gott gibt ?

Warum sind die Fragen so klein ?

Griechenland 3.

Die Seitenstraßen führen dich zum Ziel.

Heute in Kala Nera (Pelion, Pilion nähe Volos) eine Fahrradrunde gedreht.
In einer kleinen Seitenstraße gibt es einen Ort, wo eine Familie organisches Gemüse anbaut.

Dort habe ich Tomaten, Zucchini und auch, soweit ich es verstanden habe, selbst erzeugtes Olivenöl
erstanden.

Erst hat ein junges Mädchen mir die Sachen gegeben, sie kann ein wenig Englisch. Die Oma war erfreut, dass
jemand bei ihnen einkauft.

Ein wenig später kam ein junger Mann dazu, der mir auf Englisch ein bisschen mehr erzählen konnte.
Er baut in der 4.Saison organisch kontrolliertes Gemüse an.

Es ist schwierig, dieses Gemüse z.B. an lokale Gaststätten zu verkaufen. Sogar sein Cousin, auf dessen Campingplatz
wir z.Zt. sind, hat noch nicht erkannt, dass es eine gute Werbewirksamkeit hat, wenn man lokal produziertes Gemüse
zur Erstellung der Mahlzeiten verwendet.

Es ist wohl erst seit etwa 30 Jahren bekannt, dass organisch erzeugte Lebensmittel gesünder sind und entsprechend für die Kleinbauern eine Einnahmequelle sein kann.

Ich werde in den nächsten Tagen noch einmal dort vorbeischauen.

Vllt werden wir mit unserer Solawi ihn und seinen Einsatz unterstüzen könnnen.

Ich hab mal geschaut. Am 4.September könnte man für 23 EU von Frankfurt nach Volos fliegen, vllt hat ja jemand Lust,
die Olivenernte zu unterstützen. 😉

pelia-gea Konstantinos Grammenos

Griechenland 2.

Am Ende des Tages bleibt wie immer die Frage, ob es ein guter Tag war.

Eigentlich ja.

Zumindest im kleinen Rahmen

Meine Eindrücke von heute:

1. Es ist die Aufgabe der heutigen Zeit, der Angst die Macht über die Menschen zu nehmen. In dem Augenblick, wo es gelingt, den Angstmoment zu nutzen, schaltet das menschliche Gehirn auf Sparmodus und ist nicht mehr in der Lage, die möglichen vorhandenen Lösungswege überhaupt noch zu sehen.

2. Und wenn Du denkst, die Situation ist schon horrormäßig, sei darauf gefasst, es gibt hinter der nächsten Ecke fast immer noch eine Steigerungsmöglichkeit. Beispiel Griechenland:
Wenn ein Hotelbesitzer von einer Agentur ein Angebot bekommt, ich nehme 100 Zimmer in 3 Monaten, freut er sich. Wenn er den Preis hört, freut er sich nicht mehr. Von den 30 Eu, die der Gast zahlt, erhält er nur 5 Eu. Doch besser als nichst, denkt er im ersten Moment, denn die Gäste haben ja auch Hunger. Denkste. Die Reisebusse, die herangekarrt werden, bringen ihr eigenes Catering mit. Und wissen natürlich nichts davon, dass der Hotelier von ihrem Geld nur einen Bruchteil bekommt.

3. Und es gibt noch mehr in Griechenland, dass mir die Kehle zuschnürt:
Mädels, die studiert haben, müssen sich mit drei bis vier Sommer-Monaten Tag und Nacht Boutiquenverkauf das Geld verdienen, damit sie ihr Leben bestreiten können. Wenn sie nicht studiert haben, kriegen sie sozusagen den Straßenfegerjob.
Noch Fragen, warum ich nicht studiert habe ?

4. Es gibt auch Hoffnung. Es gibt wohl junge Griechen, die sich mit ihrer Situation anfreunden und nicht ins Ausland gehen, um dort mehr Geld zu verdienen (was ja auch im Umkehrschluss bedeutet, dass Menschen vor Ort entweder keinen Job oder einen schlechter bezahlten annehmen müssen, weil alle Arbeitnehmer sind). Sie möchten im Lande bleiben und ihren Kindern das Gefühl von Verbundenheit nicht vorenthalten.
Es ist gut, die Welt zu sehen, um im Regionalen die Wurzeln zu schlagen und den Platz/Sinn im Leben zu gestalten.

Griechenland

Es gab nichts, was mich dazu bewogen hätte, meinen Urlaub in Griechenland zu verbringen.

Eigentlich wollte ich überhaupt nirgendwo Urlaub machen.
Urlaub ist für mich Stress, negativer Stress, weil alle irgendwelche unausgesprochenen Ansprüche haben,
die sich doch irgendwie nicht erfüllen lassen.

Eigentlich bin ich lieber zuhause, was auch immer das ist.

Ich gehe virtuell auf Reisen. Und wenn ich schon auf Reisen gehe, möchte ich die Menschen kennenlernen.
Die Landschaft ist mir erstmal egal.

Und jetzt sind wir in Griechenland und die Wahrheit ist bedrückend.

Hier kann/nein man muss Menschen sehen, die den Glauben an sich verloren haben, weil sie die volle Ignoranz des
Kapitalismus zu spüren bekommen und hilflos sind.

Es heißt, die Würde ist unantastbar.
Klar, wenn die Rahmenbedingungen keine Würde mehr zulassen, ist die Würde unangetastet geblieben und doch
ist sie verschwunden. Sie ist einfach weg.

Wenn das Gefühl, für die Kinder nicht mehr sorgen zu können, erstmal Einzug gehalten hat in den Alltag, was
soll dann noch helfen?

Wenn es normal geworden ist, Hilfe zu erhalten, sie zu verlangen, ohne sie nicht mehr handlungsfähig zu sein, was kommt dann noch?

Wenn zu erkennen ist, dass diese Hilfe nur noch dazu führt, noch hilfloser zu sein, was soll die Menschen aus ihrer
Lithargie reißen, sie dazu ermächtigen, ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen zu können?

Würde es helfen, dass alle Menschen in Griechenland die nächsten 10 Jahre ihren Urlaub verbringen ?

Nein, es würde die Katastrophe nur verschieben.

Erst wenn erkannt werden kann, dass nur ein wirkliches Miteinander ohne auf den eigenen Vorteil zu schauen den Ansatz einer Lösung bietet, wird der erste Schritt auf der langen Reise zu der Menschlichkeit, die eigentlich doch alle schon heute für sich proklamieren, getan sein.

Ich wünsche es den Menschen hier, die jeden Abend ihren Biergarten öffnen in der Hoffnung, dass Gäste kommen, die ihre Gemüsefelder bestellen und die Ware am Straßenrand anbieten, dass sie noch ein wenig durchhalten.

Bis die s.g. zivilisierte Welt endlich begreift, dass es nicht nur der Ast ist, an dem sie sägt, sondern der Boden, den sie sich unter den Füßen wegzieht. Ohne den kein friedliches Miteinander möglich ist.