SPD, die verstohlene Suche nach dem starken Mann

Ich habe gestern eine Wette abgeschlossen:

Der nächste Kanzler heißt Peer Steinbrück.

Frank Benedikt ist mein Kontrahent.

Über den Wetteinsatz haben wir uns noch 2 Monate Zeit gegeben, über die Tatsache, dass wir dieses Jahr noch Neuwahlen bekommen werden, waren wir uns einig.

Die Geschichte in NRW ist ja wohl gelaufen, es finden sich mal wieder keine Mandatsträger, die auf ihr Mandat verzichten wollen, daher wird die CDU auf eine erneute Klage wegen Haushaltsverfassungsmäßigkeit verzichten. Ist ja offensichtlich, denn höher als erlaubt, fällt der Haushalt bestimmt aus, allerding nicht hoch genug, dass man riskieren möchte, dass die SPD das Versprechen auf Neuwahlen einlöst.

Ist schon sowas mit der Volksnähe. Die Tatsache, dass man aus dem Landtag fliegen könnte, ist doch wichtiger als das, was der Wähler sagen würde.

Also konzentriere ich mich auf meinen Wahlkreiskonkurenten Peer Steinbrück.

Das tue ich ja schon so lange, wie ich mich mit der Landespolitik beschäftige. Ich habe diverse Veranstaltungen besucht, die PS im vergangenen Jahr in meiner Nähe mitinitiert hat. Die Behauptung, er hätte sich rar gemacht, stimmt nicht. Er hat vorbereitet, dass eine offizielle Rede die höchste Aufmerksamkeit bekommt.

Es war die Antwort auf die Regierungserklärung, für die PS die gesamte Redezeit der Opposition erhielt. Und der Tonfall war frech und provozierend, dass es gar nicht anders verstanden werden kann, als dass er der nächste Mann im Ring sein wird, der AM herausfordert. Warum Gabriel und Steinmeier das getan haben? PS hat seine Partei nach wie vor im Griff. Er läuft faktisch auf Sonderschienen nebenher, meldet sich zu Wort, wenn es ihm nützt. Es erinnert mich stark an die Vorgehensweise, die Joschka Fischer an den Tag gelegt hat, als er die Partei für seine eigenen Belange vor die Wand hat fahren lassen.

Auch die Mädels und Jungs haben sich das gefallen lassen, bis auf ein paar, die sind jetzt nicht mehr da.

PS hat in aller Ruhe ein Buch geschrieben, hat sich im Fernsehen breitbeinig über die Frechheiten des Vereins um abgeordnetenwatch ausgelassen, die dargelegt haben, dass er schon längere Zeit bei Abstimmungen im Bundestag nicht anwesend war, statt dessen lieber Vorträge hielt. Und Fragen, die dort gestellt werden, vom schnöden Volk, beantwortet er nie, weil er lieber den intimeren Rahmen nimmt. Jeder kann seine Fragen an sein Büro senden, dort bekommt man die Antworten, die sonst keiner sehen soll/kann/muss.

PS ist sehr volksnah, wenn das widerstandsfähige Volk gerade mal nicht zugegen ist. Ich habe erlebt, wie er Demokratie versteht. Eine als Podiumsdiskussion getarnte Veranstaltung, die drei Vorträge enthielt von min. 30min Länge, brach er nach drei aus dem Publikum gestellten Fragen mit der Bemerkung ab, er hätte jetzt für uns alle entschieden, dass es spät genug sei und er davon ausgehe, dass die Fragen, die jetzt noch im Raume stehen würden, keine Beantwortung mehr bedürften. Widerspruch duldete er nicht. Da das Kernthema die Verschuldung der Kommunen war und gerade das die anwesenden Bürger direkt betrifft, wurde deutlich, wie egal es ihm ist, was das Volk will.

Am 1.Mai hielt er eine Rede beim DGB in Hilden, es war Wahlkampf und auch hier ließ er durchblicken, dass er das tut, was er für richtig hält. Ich hatte das Gefühl, er schwebt über den Dingen und sonnt sich in der Tatsache, dass er eben nicht in Regierungsverantwortung ist. Er genießt die Zeit vor der Götterdämmerung und geht fest davon aus, dass die SPD im richtigen Moment die Scheinwerfer auf ihn richten wird.

Eine Frage: Wer wird Kanzlerkandidat? gibt es in meinen Augen nicht.

SPD sucht Kandidat Peer, der Schreckliche
Von news.de-Redakteur Ralf Knüfer

Der Showdown mit der Kanzlerin im März im Bundestag war der erste große Auftritt Steinbrücks seit 18 Monaten.

Die Aussage des Juso-Vorsitzenden

Sascha Vogt, schlägt quer. Es fehle an Profil. Die Sozialdemokraten müssten wieder «klare Kante» zeigen, in der Renten- oder auch in der Steuerpolitik. Und die Interessen der jungen Menschen habe die SPD aus den Augen verloren. Es ist heutzutage nicht mehr einfach, dem Volk zu vermitteln, dass es da noch eine Volkspartei zu geben scheint. Der SPD bleibt das Prinzip Hoffnung.

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Und klare Kante kann Steinbrück.