1. Tag: Der Kongress hat gebloggt ……. Köln, im Februar 2011

Voller Erwartungen fuhr ich am Freitagabend nach Köln.

Der Bloggerkongress, für mich lang erwartet, sollte endlich beginnen.

Es regnete in Strömen, als ich von meinem Parkplatz aus, in der Fußgängerzone übrigens, zum Kunsthaus Rhenania gelaufen bin. Da die Betreiber des Hauses nur die Kunst in Neonschrift an der Hauswand erleuchtet hatten, war mir das Haus nicht sofort aufgefallen. Entsprechend durchnäßt, naja, fast geduscht, kam ich dort endlich an.

Ulrike Beck, die den Kongress zusammen mit ihrem Mann und vielen Freunden organisiert hat und die ich von einem aufschlussreichen Telefonat her „kannte“, schickte mich als erstes zum Trockenfönen. Auf jeden Fall fühlte ich mich trotz meiner durchnässten Jacke gleich wohl.

Ulrike hatte oranisatorisch viel um die Ohren, war „ein wenig“ aufgeregt, daher empfand ich es normal, dass sie keine Zeit für mich hatte. Sie wusste jedoch noch, dass ich Frank Benedikt kenne und kennenlernen wollte, daher fand sie Zeit, mich auf ihn aufmerksam zu machen, da ich ihn ob des Profilfotos vom binsenbrenner, erstmal nicht erkannt hätte.

Ich begrüßte Frank und wir konnten nahtlos an unsere in 1,5 Jahren geführten 2 1,5 stündigen Telefonate anknüpfen. Die Verbindung der virtuell/telefonischen mit der realen Welt war vollzogen. Ich hatte das Minimalziel des Bloggerkongresses für mich erreicht.

Ich war nach Köln gefahren, um gerade diese Verbindung mitzuerleben. Wenn sich Blogger das erste Mal begegnen, wenn aus Vorstellungen Realitäten werden, wenn man in Gesichtern lesen kann, ob diese Vorstellungen etwas mit der Realität zu tun haben. Sicher, es gibt natürlich schon einige, die diesen Prozess durchlaufen haben. Und doch ist es ein wunderbares Erlebnis, dabeizusein, wenn etwas Neues geschieht.

Mit ein bisschen Verspätung, weil man auf angesagte Gäste warten wollte, begann das Programm. Ich habe mich den ganzen Abend nicht von meinem Stuhl, der ausnahmsweise mal in der letzten Reihe befand, obwohl in der ersten was frei war, wegbewegt. Das Programm, was die Initiatoren auf die Beine gestellt hatten, war für das erste Mal und für den Anspruch, dem sie sich unterworfen haben, wunderbar.

Über die echte Bundeskanzlerin, den realen Kabarettisten Pachl, musikalische Leckerbissen, einen 100% Hartz4-Proll, musikalische Einlagen, freie Interpretationen, Jazz und bildliche Kunst, es war alles vertreten. Und wenn man bedenkt, dass auch diese Künstler sich bereiterklärt hatten, auf den schnöden Mammon zu verzichten, obwohl die Miete in 2 Wochen wieder fällig ist, hat man den Enthusiasmus/die Professionalität bis in die letzte Reihe gespürt.

Ich hab das Ganze einfach auf mich wirkenlassen. Ich bin der Meinung, dass eine besondere Bewegung Fahrt aufnimmt und ich bin glücklich, dass ich dabeibin, dass ich ein Teil bin, dass ich das Gefühl habe, ich kann etwas beeinflussen.

Da ich von Kontakten lebe, meine Lebensenergie daraus schöpfe, wenn ich am Leben anderer teilhaben kann, fällt es mir mittlerweile leicht, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, und diesen Kontakt auch über mehr als ein paar Augenblicke zu halten. Ich fahre nirgendwo mehr hin, ohne etwas Besonderes mitzunehmen. Ein Künstler, dessen Name ich nicht weiß, gesellte sich zum Ende der Veranstaltung zu mir, weil wir uns über die zertretenen Chips, die Uli´s Hund nicht vom Boden auflesen wollte, amüsierten. Es war ein anregendes, unterhaltsames Gespräch, das ich als angenehm in Erinnerung behalten werde. Es wäre schön gewesen, wenn ich ein Aufnahmemedium dabeigehabt hätte, um es aufzuzeichnen. Nun ist es halt etwas Besonderes zwischen ihm und mir. Seis drum.

Frank wurde sich zum Ende der Veranstaltung irgendwie bewusst, dass er vllt eine Art von mich einzubeziehen-Auftrag hätte, fand mich versorgt vor und machte mich darauf aufmerksam, dass einige Blogger sich zu einem nächtlichen Umtrunk noch in die Kölner Kneipen begeben wollten.

Da Frank aufgrund eines Sturzes auf den Rollstuhl angewiesen war, bestimmte er weitgehend das wie und wohin. Es wurde kommentarlos angenommen. Ich stellte meinen Bus als Taxi zur Verfügung, fuhr die Herren zu Franks Hostal und da die meisten die nüchterene Atmosphäre der Hotelbar nicht zum Verweilen bringen konnten, begaben wir uns noch in eine ausgesprochen untypische unkölsche Kneipe, bei der wir gegen 2 Uhr der Sperrstunden anheim fielen.

Die Gesprächsthemen gingen quer durch den Garten, Musik, die heute anders ist als früher, ob es normal ist, dass man die alte besser findet, über die Art und Weise, wie das Kneipenpersonal auf uns wirkte, wie man zum Bloggen gekommen ist, wieso man wo wohnt.

Ich verabschiedete mich dann, mit dem Gefühl, Blogger sind auch Menschen, die einfach bereit sind, über das Medium Internet in Erscheinung zu treten. Und jetzt ist es wichtig, sie hinter ihren Bildschirmen hervorzuziehen, um den Menschen, die nix mit dem Internet anfangen können, zu zeigen, wir sind bei Euch, zusammen sind wir stark.

Einen besonderen Dank an Ulrike und Jürgen, die sich aufgerafft haben, diesen Prozess auf eindrucksvolle und wirklich neue Art und Weise in Gang zu setzen. Nun ist es an uns, diesen Startschuss zu konservieren und in die nächsten aufregenden Wochen zu tragen.

Afrika, wir kommen !!!!!!!!!

Dies waren die Eindrücke des ersten Abends. Fortsetzung folgt. ….

Ansichten zur Lage der Nation

Wie spanne ich den Bogen?

Tunesien, Ägypten, Jordanien, Israel, wir.

Seit vielen Jahren profitieren wir davon, dass despotische Männer mit ihren Frauen ganze Völker behandeln, als wären sie dazu da, ihren materiellen Reichtum zu vergrößern.

Wir haben diese Männer unterstützt.

Und jetzt, wo bleibt die Unterstützung jetzt?

Unsere Volksvertreter finden keine Worte, um auszudrücken, dass wir darüber froh sind, dass die Menschen endlich einen Weg gefunden haben, sich zu befreien.

Nein, es wird stillgehalten, oder vorgeschlagen, dass sie eine Demokratie brauchen, so wie wir mit unserer Demokratie ein Volk in Freiheit sind.

In Freiheit?

Wir sind frei, uns zu entscheiden, tun wir das?

Wir haben die Wahl. Und anschließend haben wir nix mehr zu melden.

Welche Umfrage ist denn jetzt korrekt?

Wollen die meisten Deutschen die Laufzeit der Atomkraftwerke verlängern oder nicht ?
Wollen die meisten Deutschen eine Frauenquote oder nicht?
Wollen wir, dass unsere wirtschaftlichen Interessen in Afghanistan verteidigt werden oder nicht?
Wollen wir, dass es einen Mindestlohn gibt oder nicht?
Wollen wir immer mehr Gesetze, damit die Rechtsanwälte immer mehr zu tun haben, oder nicht?
WOllen wir, dass unsere Kinder zu gefügigen Stimmvieh und nach den Topp-Jobs strebenden Ja-Sagern werden, oder nicht?
Wollen wir, dass wir im Alter versorgt werden oder nicht?
Wollen wir die Banken retten, die sich immer noch das Geld armer Leute in die Taschen stecken oder nicht ?
Haben wir hier Informationsfreiheit oder nicht ?

Wo ist die Freiheit des Volkes, dass keine Möglichkeit hat, sich mit rechtlichen Mitteln gegen Entscheidungen zu wehren?

Wo sind die Politiker, die dem deutschen Volk zutrauen, mitzuentscheiden?

Oder wollen wir Volk das gar nicht ?????????????ß

Wieso sollten die Menschen in Afrika denken, dass das, was wir haben das Erstrebenswerte für sie ist?
Vielleicht werden sie uns zeigen, dass Anarchie die einzig wahre Lebensform auf Erden ist.

Keiner beherrscht und alles läuft.

Ich fordere Euch auf, einen offenen Brief an unseren Außenminister mitzuverfassen, damit die Menschen in Afrika erfahren, dass wir froh sind, dass sie den Mut gefunden haben, ihre Freiheit für sich einzufordern. Und wir werden akzeptieren, dass es vielleicht für uns am Ende keine gefüllten Kassen mehr gibt, dass wir bereit sind, unseren Teil dazu beizutragen, dass sie sich in Freiheit entwickeln können.

Die Zeit der 1. Welt läuft ab. Unser Kreditkonto gegenüber denen, die in Unfreiheit leben, bedarf einer Tilgungsbereitschaft.

Lasst uns nicht den Fehler begehen, unsere „Freiheit“ mit den falschen Mitteln zu verteidigen. Die Zeit der Kriege ist vorbei.

Legt die Waffen nieder und wir freuen uns auf eine (R)Evolution.